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So kannst du einen Konflikt lösen: 10 Schritte


Konflikt lösen

„Du hast schon wieder…..!“, „Warum kannst du nicht einfach….?“, „Wie oft soll ich dir das noch sagen?“ - manchmal drehen wir uns einfach im Kreis. Unverständnis, Wut, Hilflosigkeit -- all das sind Gefühle, die häufig auftauchen, wenn wir einen Konflikt mit jemanden haben, aus dem wir nicht so einfach herauskommen. Sei es der eigene Partner, das eigene Kind, Freunde oder Arbeitskollegen: Im Grunde genommen ist es egal, mit wem wir den Konflikt haben. Wenn wir das Gefühl haben, wir kommen keinen Schritt weiter, sehen wir nur noch das, was zwischen uns steht. Die andere Person verschwindet hinter der Wolke aus Wut und Enttäuschung.


Doch es muss nicht so sein! Jeder Konflikt lässt sich lösen. Es ist nur eine Frage der Zeit und der passenden Herangehensweise. Je früher wir auf ruhige und feinfühlige Art versuchen, den Konflikt zu lösen, desto einfacher wird es gehen. Je länger die Probleme schon andauern, desto mehr haben sie sich verfestigt und desto mehr Zeit und Kraft wird es kosten. Aber auch das lässt sich angehen, wenn beide wirklich wollen.


Konflikt lösen

Konflikt lösen: So geht’s


Damit sich euer Konflikt gar nicht erst ausweitet und verhärtet, geht ihr die gemeinsame Lösung am besten so bald wie möglich an. Damit euch das gelingt, könnt ihr euch an 10 Schritte halten.


10 Schritte, um einen Konflikt nachhaltig zu lösen:

Konflikt lösen

1. Ruhe bewahren


Ruhe bewahren ist die Grundvoraussetzung, um überhaupt körperlich in der Lage zu sein, einen Konflikt lösen zu können -- und zwar angemessen und nachhaltig. Wenn wir sehr aufgebracht oder wütend sind, gerät unser Körper in einen Schutzzustand -- den sogenannten „Kampf-oder-Flucht-Modus“. Die Ursache dafür liegt in unserem autonomen Nervensystem. Das Herz schlägt schneller, die Atmung ist flach und das Denken liegt gewissermaßen lahm. In diesem Zustand haben wir einen kompletten Tunnelblick und können uns nur selbst schützen -- eben durch Kampf (Aggression, Schreien, etc.) oder Flucht (sich dem Konflikt entziehen). Eine Lösung finden wir so nicht -- jedenfalls keine gut durchdachte. Diplomatie, Zuhören, Standpunkt abwägen -- all das ist dann nicht mehr möglich.


In einem Konflikt sind immer mehrere beteiligt und es geht darum, sich gegenseitig zu sehen und zu hören, um gemeinsam eine Lösung zu finden, die für beide gut passt. Diese Fähigkeiten stehen uns nur zur Verfügung, wenn wir es in erster Linie schaffen, Ruhe zu bewahren. Tut, was auch immer euch dabei hilft: Tief durchatmen, ein Glas Wasser trinken, im Nebenraum in ein Kissen boxen, eine Runde ums Haus laufen. Wenn ihr euch beruhigt habt, dann könnt ihr euren Konflikt wieder mit kühleren Köpfen angehen.


2. Empathie und Feingefühl üben


An einem Konflikt sind immer mindestens zwei Parteien beteiligt. Oft sind beide Parteien sehr gut darin, sich gegenseitig zu kritisieren, Vorwürfe zu machen oder die Beweggründe des anderen kleinteilig zu analysieren. Das liegt naturgemäß wahrscheinlich auch erst mal nahe, denn wir wollen Sinn aus dem Verhalten des anderen ziehen, um es verstehen zu können. Leider ist das aber auch eine der Ursachen für den Konflikt: Wir verstehen das Verhalten des anderen eben nicht. Oder wir können es nicht tolerieren, da es uns verletzt oder verärgert. Mit groben Vorwürfen oder Beschuldigungen kommen wir jedoch nicht weiter.


Wir sind komplexe Individuen und es braucht oft mehr Feingefühl und vor allem auch Mitgefühl, um den anderen -- und sich selbst -- zu verstehen. Mitgefühl oder Empathie bedeutet, in der Lage zu sein, sich in den anderen hineinzuversetzen und seine Gefühle und Bedürfnisse hinter seinen Taten oder Worten wahrnehmen zu können. Denn letztendlich geht es meistens darum, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Parteien miteinander vereinbaren zu können, um den Konflikt nachhaltig zu lösen. Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg ist hier ein nützliches Werkzeug, bzw. die passende innere Haltung, und wird auch in der Konfliktmediation zielführend angewendet.


Feinfühligkeit

3. Herausfinden: Was brauche ich?

Es geht also darum, die Bedürfnisse von euch herauszufinden, die hinter eurem Konflikt stecken. Bevor du aber wieder dazu übergehst, den anderen zu analysieren, ist es wichtig, erst mal bei dir selbst zu bleiben. Statt „Du hast..!“, „Du machst immer…!“, gehe erst mal in dich und frage dich lieber: Was brauche ich eigentlich? Warum macht mich das so wütend oder so verletzt? Was ist mein Bedürfnis dahinter? Es gibt diverse universelle Bedürfnisse, die die meisten Menschen haben. Oft ist in einem Konflikt eins oder meistens sind mehrere Bedürfnisse, die dir wichtig sind, nicht erfüllt. Wenn du herausfinden kannst, welche das sind, dann dringst du zum Kern des Konflikts vor und kannst verstehen, worum es (dir) eigentlich geht. Eine Bedürfnisliste kann dir dabei helfen. Wenn ihr herausgefunden habt, was beide Parteien eigentlich brauchen, dann könnt ihr auch viel einfacher eine Lösung finden, die beiden zugute kommt.


4. Herausfinden: Was braucht der andere?


Wie gesagt, in einem Konflikt bist du nie alleine. Wenn du weißt, was du eigentlich brauchst, dann geht es im nächsten Schritt darum, auch herauszufinden, was denn der andere braucht. Welche Bedürfnisse hat er oder sie? Hinter jeder Tat, wenn sie dich auch verletzt hat, steht ein Bedürfnis. Ziel ist es, eure gegenseitigen Bedürfnisse so zu befriedigen, dass ihr euch nicht dabei gegenseitig weh tut oder wütend werdet.


Aktives Zuhören

5. Aktives Zuhören praktizieren


Die Theorie ist das eine -- die Praxis das andere. Es klingt erst mal so einfach: Herausfinden, was ihr jeweils braucht. Doch die Emotionen sind eben da, und es kann sein, dass ihr schnell wieder in alte Muster verfallt und doch keinen Schritt weiter kommt. Hier kann eine gezielte Kommunikation helfen. Wie schon gesagt, es geht darum den anderen zu sehen und zu hören und selbst auch gesehen und gehört zu werden. Am besten funktioniert das in einem Wechsel aus Aktivem Zuhören und Ich-Botschaften senden. Der US-amerikanische Psychologe Thomas Gordon hat in seinem Elterntraining diese Technik angewendet, um eine klare und zielführende Kommunikation zwischen den Parteien zu ermöglichen.


Im Aktiven Zuhören versuchst du, deinen eigenen Anteil am Konflikt vorübergehend zur Seite zu legen, und dich voll und ganz deinem Gegenüber zu widmen. Ihr werdet euch nur gegenseitig wirklich sehen und hören können, wenn nicht beide gleichzeitig gehört werden wollen. Es geht also erst mal darum, den anderen zu hören, mit dem Wissen, dass du danach genauso gehört werden wirst, wie du jetzt den anderen hörst. Dabei hörst du nicht nur zu, sondern du versuchst, die Gefühle und Bedürfnisse des anderen zu spiegeln, d.h. du gibst sie in deinen eigenen Worten wertungsfrei (!) wieder. Du wirst merken, wenn du genau das triffst, was den anderen bewegt. Eine gewisse Erleichterung wird sich einstellen, die damit einhergeht, wenn wir uns endlich gesehen und gehört fühlen.


6. Ich-Botschaften senden


Genau wie dein Gegenüber gehört und gesehen werden will mit den Gefühlen und Bedürfnissen, die er oder sie hat, so willst auch du gehört werden. Mit Du-Botschaften oder Vorwürfen wird das jedoch nicht klappen, denn dann fühlt sich der andere angegriffen und geht auf Verteidigung, statt auf Verständnis. Stattdessen geht es also darum, dass du Ich-Botschaften sendest. Du hast ja bereits vorher schon herausgefunden, worum es dir eigentlich geht in eurem Konflikt. Was sind deine Bedürfnisse? Welche Gefühle hast du? Jetzt geht es darum, das der anderen Person offen und ruhig zu kommunizieren. Wichtig ist, möglichst nicht in Bewertungen oder Kritik zu verfallen, sondern ganz bei dir zu bleiben. „Ich fühle mich……und habe das Bedürfnis nach…..“. Nur wenn du dich deinem Gegenüber so unverfälscht zeigst, kannst du auch von ihm oder ihr wirklich gesehen und gehört werden.


Vertrauen aufbauen

7. Vertrauen aufbauen


Um sich dem anderen wirklich öffnen zu können und auch offen für das zu sein, was der andere braucht, benötigt ihr eine vertrauensvolle Basis. Du hörst dem anderen wirklich zu, in dem Vertrauen, dass er oder sie auch das Gleiche für dich tun wird. Manchmal fühlst du dich schon so stark verletzt, dass Vertrauen schwierig ist. Allerdings werdet ihr mit tiefem Misstrauen nicht weit kommen. Wenn du nicht glaubst, was der andere von sich sagt, und wenn du nicht darauf vertrauen kannst, dass er dich auch wirklich hören will, dann wird es schwierig werden, euren Konflikt alleine zu lösen. Manchmal lässt sich echtes Vertrauen auch nur so aufbauen, dass du deinem Gegenüber einen kleinen Vorschuss gibst -- ein inneres Vertrauen darauf, dass es wieder gut werden kann zwischen euch. Wenn sich dein frei gegebenes Vertrauen dann bestätigt, könnt ihr langsam wieder eine gemeinsame Basis aufbauen. Das geht nur über die wiederholte Erfahrung, dass es auch tatsächlich möglich ist, einander zu sehen und zu hören.


8. Verbindung aufnehmen


„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Kontakt.“ Dieses Zitat stammt von der US-amerikanischen Familientherapeutin Virginia Satir. Erst wenn wir einander wirklich sehen und hören können, dann gehen wir in Kontakt oder Verbindung. Verbindung ist die Grundlage, wenn du einen Konflikt lösen möchtest. Ansonsten redet (oder schreit) ihr nur aneinander vorbei.


Konflikt lösen

9. Keine vorschnellen Kompromisse eingehen


Oft denken wir, es geht beim Konflikt lösen darum, möglichst schnell einen Kompromiss zu finden. Doch Achtung, ein Kompromiss ist nicht unbedingt eine Lösung und erst recht keine Lösung, bei der die Bedürfnisse beider Parteien ausreichend berücksichtigt werden. Bei einem Kompromiss geht es nicht darum, dass Bedürfnisse berücksichtigt werden, sondern es geht um den Verzicht. Beide Parteien sollen auf etwas verzichten, um sich wenigstens ein wenig annähern zu können. Am Ende gewinnt niemand dabei, sondern beide verlieren. Solche Kompromisse können vorübergehend dazu führen, dass der Konflikt beigelegt wird. Allerdings kann es gut sein, dass die dahinter liegenden Bedürfnisse weiterhin unbefriedigt bleiben und die Unzufriedenheit weiter wächst. Dann wird der nächste Konflikt nicht lange auf sich warten lassen. Besser ist es, statt vorschneller Kompromisse, nachhaltige Lösungen zu finden, von denen beide profitieren können.


Konflikt lösen

10. Gemeinsame Lösungen finden


Wenn ihr es einmal geschafft habt, herauszufinden, was ihr jeweils braucht und euch auch tatsächlich gegenseitig gehört habt, dann konntet ihr eine Verbindung herstellen. Ihr werdet merken, wie sich die Atmosphäre deutlich entspannt und ihr anfangen könnt, gemeinsam zusammenzuarbeiten als Team, statt gegeneinander zu kämpfen. Der letzte Schritt, um euren Konflikt lösen zu können, ist nun nur noch eine gemeinsame Lösung zu finden. Praktischerweise seid ihr jetzt schon zusammen unterwegs und dem Brainstorming steht nichts mehr im Weg. Letztendlich geht es darum, Wege zu finden, wie ihr eurer beider Bedürfnisse gerecht werden könnt, ohne einander zu verletzen. Die Bedürfnisse können nicht immer gleichzeitig erfüllt werden, manchmal klappt es besser, wenn ihr eine Lösung findet, die zeitlich versetzt stattfindet à la „Erst machen wir das…dann das.“ Hier ist wieder das Vertrauen wichtig, dass jeder gleichermaßen zum Zuge kommen wird.


Es hilft auch, konkrete Bitten an den anderen zu richten. Mit konkret ist gemeint, dass sie etwas genau beschreiben, das der andere tun kann. Etwas das sichtbar oder hörbar ist. Etwas wie „mehr Verständnis zeigen“ ist sehr ungenau. Jeder stellt sich etwas anderes darunter vor. Was genau möchtest du, dass der andere tut oder sagt? Vergiss nicht, es handelt sich um Bitten, nicht um Forderungen. Nur wenn der andere aus freien Stücken dazu bereit ist, der Bitte nachzukommen, weil er möchte, dass es auch dir gut geht, wird die Lösung eures Konfliktes nachhaltig sein. Wenn er oder sie nicht dazu bereit ist, könnt ihr euch auch fragen, woran das liegt. Was braucht er dafür? Was könntest du vielleicht tun, damit er deiner Bitte nachkommen kann? Oder gibt es etwas anderes, was du dir von ihm/ihr wünschst? Verfahrt weiter so, bis ihr eine Einigung findet, die euch beiden zugute kommt. Wenn ihr es geschafft habt, dann werdet ihr nicht nur diesen Konflikt nachhaltig gelöst haben, sondern ihr werdet die Erfahrung auch in die Zukunft tragen und insgesamt fähiger werden, mit euren Konflikten konstruktiv und beziehungsstärkend umzugehen.


Konflikt lösen

Einen Konflikt lösen ist möglich


Eure Konflikte alleine zu lösen ist möglich. Je eher ihr es angeht und euch die ausreichende Zeit und Ruhe dafür nehmt, desto leichter wird es gehen. Manchmal sind die Fronten aber schon so verhärtet, dass professionelle Hilfe nötig ist. Ein sicherer, neutraler Raum und eine neutrale dritte Person kann neue Perspektiven schaffen. Es ist schade, wenn Konflikte eure Beziehung zerstören, denn es muss nicht so sein. Es gibt immer die Möglichkeit wieder zueinander zu finden, wenn beide es wirklich wollen.

 

Johanna Schön ist Heilpraktikerin auf dem Gebiet der Psychotherapie, Paartherapeutin und Elterncoach in Leipzig und online.


Ihr braucht Hilfe und Unterstützung beim Lösen eurer Konflikte? Ich bin gern für euch da.






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