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Hochsensible Kinder besser verstehen


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Inhalt

 

Wie zeigt sich Hochsensibilität bei Kindern?


Hochsensibilität wurde in den 1990er Jahren von der amerikanischen Psychologin Elaine Aron genau untersucht, beschrieben und bekannt gemacht. Hochsensible Kinder verhalten sich oft etwas „anders“ als die meisten anderen Kinder. Sie nehmen ihre Umwelt auf sensorischer Ebene genauer wahr und verarbeiten die Sinnesreize auch intensiver.


Evolutionsbiologisch ist die Gruppe der hochsensiblen Menschen sinnvoll für das Überleben der Spezies. Auch andere Säugetiere haben einen Anteil hochsensibler Tiere. Hast du ein Haustier, kommt dir das bei deinem Hund oder deiner Katze eventuell auch bekannt vor. Hochsensible nehmen Gefahrensignale schneller wahr und können die anderen der Gruppe so warnen und schützen. Und die „weniger Sensiblen“ können sich voll und ganz entspannen und brauchen gar nicht die ganze Zeit auf Gefahren zu lauschen.


Leider ist diese Funktion in unserer modernen Gesellschaft nicht immer sinnvoll. Es ist daher wichtig, dass hochsensible Kinder lernen, welche Signale tatsächlich eine Gefahr bedeuten und wo sie unnötig in Stress verfallen. Die Themen Abgrenzung, Selbstfürsorge, Selbstregulation und Sicherheit spielen für hochsensible Kinder eine wichtige Rolle.


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Hochsensible Kinder Merkmale


Hochsensible Kinder haben oft folgende Merkmale:

  • Sie mögen keine Veränderungen

  • Sie erschrecken leicht

  • Sie mögen keine Menschenmengen oder große Gruppen

  • Sie sind sehr schmerzempfindlich

  • Sie haben eine starke Verbindung zur Natur oder Tieren

  • Sie sind sehr mitfühlend

  • Sie sind sehr sprachbegabt und denken „vernetzt“

  • Sie beschweren sich oft über laute Geräusche, intensive Gerüche oder „kratzige“ Kleidung

  • Sie sind wählerische Esser

  • Sie bekommen bei Stress körperliche Beschwerden

  • Sie haben unter Umständen Schlafprobleme

  • Sie beobachten lieber lange, bevor sie etwas Neues ausprobieren

  • Sie werden tief bewegt von ihren Erlebnissen und brauchen lange, um sie zu verarbeiten

  • Sie haben intensive Gefühle und plötzliche Gefühlsausbrüche

  • Sie finden Elemente wie Wasser, Sand, Schlamm, Klebriges unangenehm

  • Sie sind sehr kreativ und erfinderisch

  • Sie haben einen Hang zum Perfektionismus oder zu Kontrollverhalten

Natürlich liegen nicht zwangsläufig alle Merkmale bei allen hochsensiblen Kindern vor und sind auch nicht alle gleich stark ausgeprägt. Sensibilität ist ein Spektrum und die Ausprägung kann auch in den verschiedenen sensorischen Bereichen (taktil, akustisch, olfaktorisch, visuell…) unterschiedlich sein.


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Hochsensible Kinder haben oft intensive Gefühle


Nicht nur die Signale „von außen“, sondern auch die Signale „von innen“ werden bei hochsensiblen Menschen intensiv verarbeitet. Hochsensible Kinder sind „Vielfühler“, sie nehmen ihre Gefühle sehr intensiv wahr und sind oft auch sehr facettenreich.


Manche hochsensiblen Kinder verfallen angesichts der intensiven Sinneseindrücke schnell in Stress und bekommen Angstzustände oder Wutanfälle.


Hochsensible Kinder sind sehr empfänglich für die Stimmungen anderer


Durch die große Feinfühligkeit nehmen hochsensible Kinder sehr leicht die Stimmungen anderer Menschen in ihrem Umfeld wahr. Sie sind oft sehr mitfühlend oder werden schnell durch die Stimmung anderer „mitgerissen“. Das kann z.B. dafür sorgen, dass sich Stress auch schnell auf sie überträgt. Gleichzeitig geht ihnen das Schicksal geliebter Mitmenschen sehr zu Herzen. Sie kümmern sich auch gern um andere und können auch Tieren gegenüber sehr liebevoll und einfühlend sein.


Ihre Feinfühligkeit zeigt sich auch in ihrem Sozialverhalten. Die meisten hochsensiblen Kinder sind eher zurückhaltend und introvertiert und beobachten lieber vom Rand der Gruppe aus, statt mitten im Geschehen zu sein. Es gibt aber auch eine Gruppe der Extrovertierten, die sich gern in neue Abenteuer stürzen und überall dabei sein wollen. Wenn sie noch nicht gelernt haben, gut für sich zu sorgen und ihre Grenzen zu beachten, reagieren sie nach solchen „Abenteuern“ oft überreizt und gestresst.


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Hochsensible Kinder können perfektionistisch und zwanghaft wirken


Die Fülle an sensorischen Signalen kann für hochsensible Kinder schnell sehr überwältigend sein. Die Erfahrung einer solchen Überwältigung ist für sie dann besonders intensiv und sie brauchen lange, um sie zu verarbeiten. Um nicht wieder überwältigt zu werden, versuchen sie selbst für „Sicherheit“ zu sorgen. Sie bestehen dann sehr stark auf bestimmte Rituale oder darauf, dass etwas ganz genau so gemacht wird, wie sie es sich wünschen oder vorstellen. Bei kleinsten Abweichungen können sie in Panik geraten.

Nach außen kann ein solches Verhalten manchmal schon etwas „zwanghaft“ oder perfektionistisch wirken. Dahinter steckt oft die Suche nach Sicherheit, Ausgeglichenheit und Schutz. Hier kannst du noch mehr darüber erfahren, ob oder wann hochsensible Kinder „Zwänge“ haben können.


Hochsensible Kinder haben manchmal Schlafprobleme


Um in Ruhe schlafen zu können, braucht unser Körper Entspannung und vor allem Sicherheit. Hochsensible Kinder sind häufig von Natur aus in Alarmbereitschaft. Sie nehmen leichter Gefahrensignale auf und verarbeiten sensorische Erlebnisse tief und lange. Auch die Überreizung nach einem eindrucksreichen Tag führt zu Schwierigkeiten mit dem Schlafen. Ein- und Durchschlafprobleme oder Nachtschreck können sich zeigen.


Bei Schlafproblemen benötigen die Kinder die passende Aufmerksamkeit, Einfühlung und eine individuelle Orientierung an ihren (sensorischen) Bedürfnissen und körperlichen Zuständen.

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Hochsensible Kinder: Häufige Fragen und Antworten


Hochsensible Kinder stellen uns Eltern manchmal etwas ratlos vor viele Fragen. Ich habe ein paar häufige Fragen gesammelt und beantwortet.


Welche Stärken haben hochsensible Kinder?


Hochsensible Kinder haben ein sehr intensives Innenleben und nehmen gleichzeitig auch ihre Umgebung sehr detailliert wahr. Sie haben einen Blick für Details, ein starkes ästhetisches Empfinden, häufig auch künstlerische oder musikalische Begabungen. Sie sind sehr mitfühlend und einfühlsam und sorgen sich häufig auch gern und liebevoll um andere Menschen oder Tiere. Wenn sie Freundschaften geschlossen haben, sind sie sehr treu und loyal. Hochsensible Kinder sind oft sehr sprachbegabt und denken schon früh über tiefsinnige Fragestellungen nach. Sie denken häufig „vernetzt“ und wollen Zusammenhänge erschließen oder genau herausfinden, wie etwas funktioniert. Außerdem haben sie einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und setzen sich auch sehr dafür ein. Hochsensible Kinder sind oft auch sehr kreativ und erfinderisch.


Was essen hochsensible Kinder?


Viele hochsensible Kinder sind eher wählerische Esser. Das liegt dann daran, dass ihr Geschmackssinn und auch ihr Geruchssinn sehr intensiv ausgeprägt sind. Über den Geruchssinn nehmen wir die verschiedenen Aromen von unserem Essen wahr. Manches kann für Hochsensible zu intensiv schmecken und sie bevorzugen daher eher weniger gewürzte Speisen. Auch die Anzahl an Zutaten kann eine Rolle spielen, hier ist weniger für Hochsensible manchmal mehr.


Darüber hinaus ist auch die Konsistenz des Essens für einige hochsensible Kinder wichtig und sie bevorzugen z.B. eher knusprige oder weiche Zutaten. Manche Kinder möchten auch nicht, dass sich die unterschiedlichen Zutaten auf dem Teller zu sehr mischen, da die Reize dann zu intensiv für sie werden. Als Eltern sollten wir die individuellen Bedürfnisse unseres Kindes anerkennen und soweit es uns möglich oder für die Ernährung des Kindes sinnvoll ist, darauf Rücksicht nehmen.


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Sind hochsensible Kinder anstrengend?


Hochsensible Kinder sind sehr tiefsinnig, vielschichtig und komplex. Gerade als Babies und Kleinkinder brauchen sie manchmal mehr Unterstützung, Mitgefühl oder Begleitung von uns Eltern als andere Kinder. Das kann unter Umständen viel Kraft kosten, vor allem, wenn wir als Eltern vergessen, auch gut für uns selbst zu sorgen und unseren Akku immer wieder aufzuladen.


Sind hochsensible Kinder schwierig?


Hochsensible Kinder sind nicht „schwierig“, sie zeigen nur manchmal ein anderes Verhalten, als die meisten anderen Kinder. Hochsensible Kinder haben ein sehr reiches Innenleben und manche Dinge sind für ihre Bezugspersonen ungewohnt und vielleicht unverständlich.


Welche Hobbys sind gut für hochsensible Kinder?


Hochsensible Kinder haben sehr individuelle Bedürfnisse. Es ist wichtig, ihnen Rechnung zu tragen und ihre persönlichen Interessen und Talente anzuerkennen und in dem Maße zu unterstützen, wie es angenehm für das Kind ist. Künstlerische oder musikalische Hobbys können aufgrund des intensiven Sinneserlebens für hochsensible Kinder sehr angenehm und reizvoll sein. Aber auch Sport ist ein gutes Hobby, um überschüssige Energie sicher zu entladen und Reize gut zu verarbeiten. Die Mehrzahl der hochsensiblen Kinder zieht eher Hobbys vor, die alleine oder in kleinen Gruppen verfolgt werden, da große Gruppen oder Menschenmengen schnell zur Überreizung führen können.


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Wie geht man am besten mit hochsensiblen Kindern um?


Hochsensible Kinder brauchen das Gefühl gesehen und gehört zu werden. Sie brauchen regelmäßig unsere volle Aufmerksamkeit und sehr viel Einfühlungsvermögen. Sie brauchen kleine Herausforderungen, an denen sie wachsen und ihr Selbstwertgefühl aufbauen können, ohne dass es zu viel für sie wird und die Überforderung und Überreizung droht.


Hochsensible Kinder brauchen viel Feinfühligkeit in ihrer Begleitung. Mit Druck, Strenge oder „Durchgreifen“ kommt man bei ihnen oft nicht weit - im Gegenteil. Druck erzeugt entweder Gegendruck oder Selbstwertprobleme. Stattdessen brauchen sie Anerkennung, Empathie und das Gefühl, okay so zu sein, wie sie sind.


Hochsensible Kinder profitieren aber auch sehr von einer klaren Struktur und regelmäßigen Routinen. Sie brauchen Bezugspersonen, die Sicherheit und Warmherzigkeit ausstrahlen. Die individuell auf die Bedürfnisse ihres hochsensiblen Kindes Rücksicht nehmen, aber auch ihre eigenen Bedürfnisse als Eltern nicht vergessen, sondern sie genauso sicher und feinfühlig kommunizieren.


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Wie beruhigt man hochsensible Kinder?


Hochsensible Kinder sind sehr empfänglich für die Stimmungen anderer. Wenn ihre Eltern im Stress sind, überträgt sich das sehr schnell auf sie. Gleichzeitig sind ihre feinen Antennen sehr sensibel für „Gefahrensignale“. Schon vermeintliche „Kleinigkeiten“ können dazu führen, dass sie in einen Stresszustand verfallen. Hochsensible Kinder brauchen also Bezugspersonen, die ganz viel Ruhe und Sicherheit ausstrahlen. Die ihnen das Gefühl geben, für sie da zu sein, ohne sie zu überwältigen. Wie ein sicherer Leuchtturm in der Brandung. Die es im ersten Schritt erst mal akzeptieren, dass das Kind gerade aufgebracht ist. Die es sehen und hören. Hochsensible Kinder brauchen zur Beruhigung manchmal genug eigenen Raum, ohne alleine gelassen zu werden. Wenn das Kind bereit ist, kann die Bezugsperson es dabei unterstützen, eigene Lösungen zu finden.

 

Johanna Schön ist Heilpraktikerin auf dem Gebiet der Psychotherapie, Elterncoach und Expertin für hochsensible Kinder.

 

Du hast vielleicht auch ein hochsensibles Kind und stehst vor Fragen oder wünschst dir Unterstützung?


Ich begleite im Live 1:1 Online Elterncoaching Eltern mit hochsensiblen Kindern und helfe ihnen, sie besser zu verstehen und optimal zu fördern. Hier kannst du eine nachhaltige Veränderung in Gang setzen:

Du kannst auch den Online Elternkurs: "Hochsensible Kinder fördern" machen. Darin lernst du selbstbestimmt, wie du dein hochsensibles Kind besser verstehst und optimal unterstützen kannst.





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